Ein Schrank mit Augen, der auf dem Anhänger durch die Oberpfalz reist: Was nach einem Kinderbuch klingt, ist in Wahrheit ein durchdachtes Logistik-Projekt gegen den Wegwerf-Wahn. Die Familie Trummer Haberberger aus Amberg beweist mit „FreuDichFrieda“, dass Nachhaltigkeit vor allem eines braucht: Menschen, die zupacken – und einen sehr starken Spanngurt.
Ein massiver Holzschrank, 1,88 Meter hoch, 1,82 Meter breit. Er ist weiß, er hat Augen, und er hat eine Mission. Wenn „FreuDichFrieda“ anrollt, dann auf einem Anhänger, seit kurzem gezogen von einem E-Auto, gespeist mit Sonnenstrom. Seit Januar 2021 orchestriert die Familie Trummer Haberberger dieses mobile Verschenke-Netzwerk in der Oberpfalz. Was als Lockdown-Projekt begann, hat sich zu einer logistischen und sozialen Mitmach-Aktion ausgeweitet.
Die Anatomie der Großzügigkeit
Frieda ist kein filigranes Möbelstück. Sie ist eine imposante Erscheinung aus upgecycelten Materialien. „Und sie ist schwer“, warnt die Familie Trummer Haberberger potenzielle Betreiber:innen vorab. Wer Frieda bei sich aufnimmt, muss beim Abladen mit anpacken.
Doch warum der Aufwand? Warum die Schränke – mittlerweile sind es mit Franz, Fritzi und Elfriede vier Geschwister – nicht einfach fest einbetonieren? Der Clou liegt im Rotationsprinzip. Ein statischer Schrank wird oft unsichtbar oder, schlimmer noch, zur dauerhaften Müllhalde. Frieda dagegen erzeugt durch ihren Standortwechsel Aufmerksamkeit. Sie taucht auf, verbreitet Freude durch das Verschenken von Haushaltswaren, Spielzeug oder Büchern und zieht weiter, bevor der Gewöhnungseffekt einsetzt.
Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines durchdachten Konzepts, das die Anonymität aufhebt und klare Verantwortlichkeiten schafft. Wo öffentliche Verschenke-Angebote oft an Vandalismus oder Vermüllung scheitern, blickt die Familie Trummer Haberberger auf eine bemerkenswert positive Bilanz: Echten Vandalismus gab es in vier Jahren nie. Das liegt vor allem an der engen Bindung zwischen den Ideengebern und den Entleihern. Wer einen Schrank übernimmt und betreibt, geht eine Patenschaft ein.

Zwischen Idealismus und Realitätscheck
Im Gegensatz zu offenen Tauschboxen, in die jeder Passant wahllos Dinge hineinstellen kann, werden Frieda und ihre Geschwister durch die jeweiligen Betreiber kontrolliert aufgefüllt. Diese Kuratierung verhindert, dass die Schränke als bequeme Entsorgungsstation für defekte Geräte missbraucht werden. Die Gastgeber sorgen täglich für Ordnung und arrangieren den Inhalt ansprechend, was die Hemmschwelle für Fehlbefüllungen massiv senkt. Auch der rechtliche Rahmen ist gesteckt: Während das Aufstellen auf Privatgrund unkompliziert ist, unterstützt die Familie bei Standorten im öffentlichen Raum mit vorbereiteten Anträgen auf Sondernutzung für die Gemeinden.
Hinter den bunten Glasfenstern steckt eine tiefe Philosophie des Loslassens. Das Projekt “FreuDichFrieda” ist ein lebendiges Beispiel für die praktische Umsetzung der „Share Economy“ und des verantwortungsvollen Konsums. Es geht darum, Gegenstände, die zu schade zum Wegwerfen sind, in ein „zweites Leben“ zu entlassen. Selbst wenn Dinge entnommen werden, um sie anderweitig zu verwerten oder auf Flohmärkten zu verkaufen, bleiben die Verschenkenden gelassen. Ein Geschenk wird freiwillig abgegeben – entscheidend ist allein, dass die Dinge im Kreislauf bleiben und keine neuen Ressourcen für Neuanschaffungen verbraucht werden müssen.
In den vergangenen vier Jahren wurden so bereits über 40 Standorte bedient. Tausende Gegenstände fanden ein neues Zuhause. Während die Familie Trummer Haberberger bereits über kompaktere Modelle nachdenkt, die noch leichter zu transportieren sind, verbreitet sich die Idee bereits organisch in der Region. In Schnaittenbach baute eine Schule nach dem Amberger Vorbild bereits einen eigenen Schrank.
„FreuDichFrieda“ liefert damit den Beweis, dass Klimaschutz in der Oberpfalz durch das Teilen von Freude funktioniert – vorausgesetzt, man bietet den passenden Rahmen dafür an.
Werde Teil der FreuDichFamilie!
Die Verschenkeschränke sind nicht nur eine praktische Möglichkeit, das eigene Konsumverhalten klimafreundlicher gestalten, das Projekt stärkt auch Nachhaltigkeit und Gemeinschaftssinn. DU kannst dabei mitmachen: leih dir einen Verschenkeschrank für einige Wochen oder Monate aus und erlebe die Freude beim Loslassen und Weitergeben. Melde dich unter freudichfrieda@gmail.com.




