Beim Ideenwettbewerb opf.rocks haben wir RocketMIND bereits vorgestellt. Jetzt geht das Regensburger Gründerinnenteam den nächsten Schritt: Annalena Lüdeke, Celina Hölzel und Lena Hiltel erhalten das EXIST-Gründungsstipendium und können ein Jahr lang in Vollzeit an ihrer App zur mentalen Stärkung von Grundschulkindern arbeiten. Auf dem Plan stehen die Weiterentwicklung zur Marktreife und eine wissenschaftliche Studie mit der Universität Regensburg.

Levels, Challenges, ein Weltraumabenteuer: RocketMIND setzt auf eine Spielwelt, die Kinder zum Entdecken einladen soll. Hinter der Reise ins All steht allerdings eine Aufgabe, die ganz nah am Alltag liegt. Wie lassen sich eigene Gefühle besser verstehen? Wie gelingt es, mit Herausforderungen wie Schulstress oder Vergleichsdruck umzugehen?

Annalena Lüdeke, Celina Hölzel und Lena Hiltel entwickeln dafür eine App für Kinder im Grundschulalter. Wissenschaftlich fundierte psychologische Übungen sollen darin spielerisch zugänglich werden und Selbstwertgefühl, Resilienz sowie emotionale Intelligenz fördern. Das Vorhaben ist präventiv angelegt: Die Gründerinnen wollen Kinder früh dabei unterstützen, mentale Stärke aufzubauen.

Mit dem EXIST-Gründungsstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bekommt RocketMIND nun ein Jahr Zeit für die Weiterentwicklung in Vollzeit. Für das Team aus der OTH Regensburg bedeutet das den Übergang vom Hochschulprojekt zum Aufbau eines Start-ups.

Eine Frage wird zur Idee

Kennengelernt haben sich die drei Gründerinnen im Wintersemester 2024/25 im Masterstudiengang Digital Entrepreneurship an der OTH Regensburg. Sie kamen aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Was sie verband, war eine gemeinsame Frage: Wie können psychische Erkrankungen bereits im Kindesalter verhindert werden?

Die Motivation dahinter ist persönlich. „Wir alle haben selbst oder in unserem nahen Umfeld Erfahrungen mit psychischen Belastungen gemacht“, erklären die drei. „Deshalb sind wir überzeugt, dass Prävention der Schlüssel ist und möchten Kindern möglichst früh Werkzeuge an die Hand geben, um mental stark aufzuwachsen.“

In der Lehrveranstaltung „Digitale Produktentwicklung“ nahm dieses Anliegen Gestalt an. Aus der Frage nach früher Prävention wurde die Idee einer App, die psychologische Übungen in eine kindgerechte Geschichte einbettet. Das Weltraumabenteuer bildet dabei den Rahmen für das Lernen: Kinder sollen sich durch Levels und Challenges bewegen und dabei den Umgang mit ihren Gefühlen üben.

Damit verbindet RocketMIND zwei Anforderungen. Die Inhalte sollen wissenschaftlich fundiert sein. Zugleich muss die Anwendung so gestaltet werden, dass Grundschulkinder sie verstehen und gerne nutzen. Wie beides zusammenkommt, beschäftigte das Team auch über die Lehrveranstaltung hinaus.

Alle drei Gründerinnen nutzten ihre Masterarbeiten, um Aspekte des Projekts genauer zu untersuchen. So wurde der Studienabschluss zugleich zu einem weiteren Entwicklungsschritt für RocketMIND.

Celina Hölzel beschäftigte sich mit der Nutzerfreundlichkeit. Gemeinsam mit Kindern und Erziehungsberechtigten testete sie, wie intuitiv die Anwendung ist und wie viel Freude die Kinder beim Spielen empfinden. Für eine App, die junge Nutzerinnen und Nutzer erreichen will, sind das grundlegende Fragen: Finden sie sich zurecht? Macht ihnen die Nutzung Spaß?

Annalena Lüdeke untersuchte die Potenziale Künstlicher Intelligenz in Managementprozessen von Start-ups. Lena Hiltel entwickelte ein KI-gestütztes Konzept, um potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen und anzusprechen.

Hiltels Untersuchungen zeigten, welche Rolle Vertrauen dabei spielt. Digitale Marketinginstrumente waren besonders dann erfolgreich, wenn zunächst eine Vertrauensbasis entstand. Daraus leitete sie Strategien für den Community-Aufbau und die Kommunikation mit Eltern ab.

Die Forschungsarbeiten reichen damit von der Nutzung durch Kinder bis zur Organisation und Ansprache rund um das künftige Unternehmen. Sie schaffen Grundlagen für ein Projekt, das sowohl Kinder begeistern als auch Eltern überzeugen muss.

Rückenwind aus Regensburg

Auf dem Weg zur Gründung hat RocketMIND bereits mehrere Förderungen und Auszeichnungen erhalten. Dazu gehören die KickStart@FH-Förderung der OTH Regensburg und eine Top-10-Platzierung beim BayStartUP Businessplan Wettbewerb Nordbayern. Das Team gewann außerdem „Tiger der TechBase“ und erhielt zwei Auszeichnungen beim Bayerisch-Tschechischen Innovationstag.

Beim Hochschulgründertag 2025 an der OTH Regensburg überzeugte RocketMIND sowohl die Jury als auch das Publikum und gewann beide Preise. Alle drei Gründerinnen nahmen zudem am Female Founders Programm der Hochschule teil. Das Programm begleitet gründungsinteressierte Frauen mit Mentoring, Workshops und individuellem Coaching bei der Entwicklung ihrer Geschäftsideen.

An RocketMIND wird damit auch sichtbar, wie ein Gründungsvorhaben in der Oberpfalz wachsen kann: Eine Lehrveranstaltung gibt Raum für die erste Idee, Masterarbeiten vertiefen einzelne Fragen, Förderprogramme und Wettbewerbe unterstützen die nächsten Schritte.

„Ohne den Rückhalt aus unserem Netzwerk, von Mentorinnen und Mentoren, Förderprogrammen, Partnern sowie Familie und Freunden wären viele dieser Erfolge nicht möglich gewesen“, sagen die Gründerinnen.

Bereit für den nächsten Schritt

Das EXIST-Stipendium eröffnet dem Team nun die Möglichkeit, sich nach dem Studienabschluss vollständig auf RocketMIND zu konzentrieren. Der Förderung geht eine Prüfung voraus, unter anderem zu Innovationshöhe, Geschäftsmodell und Kompetenzen des Teams. Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen, Leiter des Start-up Centers der OTH Regensburg, beschreibt sie deshalb als besondere Auszeichnung und als Qualitätssiegel gegenüber Investoren.

Für RocketMIND liegt die nächste Aufgabe darin, die technische und inhaltliche Entwicklung voranzubringen und die App zur Marktreife zu führen.

Dabei steht eine Frage im Mittelpunkt, die über Wettbewerbserfolge hinausgeht: Welche Wirkung hat die Anwendung bei Kindern? In Kooperation mit der Universität Regensburg ist eine Kurzzeitstudie mit Grundschulkindern geplant. Sie soll die Wirksamkeit wissenschaftlich weiter untersuchen.

Noch beschreibt die mentale Stärkung von Kindern also das Ziel des Projekts. Die geplante Studie soll weitere Erkenntnisse dazu liefern, wie die Anwendung diesem Anspruch gerecht wird.

Interessierte Eltern können sich bereits auf rocketmind.app unverbindlich informieren und für die Studie vormerken lassen.

Für die drei Gründerinnen beginnt damit das nächste Kapitel: Die Idee aus dem Masterstudium muss sich nun in der weiteren Entwicklung und wissenschaftlichen Untersuchung bewähren. Entscheidend wird sein, was Kinder aus dem digitalen Weltraumabenteuer in ihren Alltag mitnehmen können.

Teile diese Geschichte!