Wenn Schüler aus der Oberpfalz mit dem Spaten auf den Versuchsfeldern eines Weltmarktführers stehen und kurz darauf Bodenproben im Hochleistungslabor einer Hochschule analysieren, dann ist das mehr als nur Unterricht. Es ist eine Expedition in die eigene Zukunft. Die „STEM-Challenge“ zeigt, wie man junge Talente fördert, indem man sie dort abholt, wo sie herkommen – auf dem Boden der Tatsachen.

Es ist der Moment, in dem der Puls steigt: Die Abschlusspräsentation vor Eltern, Sponsoren und Professor:innen steht an, doch das digitale Dokument einer Gruppe ist plötzlich unauffindbar. In der Welt der Hochglanz-Projekte wäre das ein Desaster. Bei der STEM-Challenge in Schwandorf war es ein Moment der Solidarität: Eine Lehrkraft der Mädchenrealschule sprang sofort ein, rettete die IT-Struktur und damit den Auftritt der vier sichtlich erleichterten Schüler:innen. Es ist genau dieser Geist des unkomplizierten Miteinanders, der das Projekt auszeichnet.

Warum eigentlich Boden?

Warum setzt man leistungsstarke Schüler:innen drei Tage lang dem Thema „Boden“ aus? Die Antwort ist so simpel wie alarmierend: Boden ist unsere unterschätzte Lebensgrundlage. Er entscheidet über Klimaschutz, Wasserhaushalt und Ernährungssicherheit. In einer Region, die stolz auf ihre Landwirtschaft und ihre Technik ist, wird oft vergessen, dass auch hier Böden unter Trockenstress leiden. Die STEM-Challenge wollte das Abstrakte greifbar machen. Als Partner standen die OTH Amberg-Weiden, die HORSCH Maschinen GmbH, die FOSBOS Schwandorf sowie drei Realschulen bereit.

Dabei wurde klar: Relevanz schafft Akzeptanz. Themen mit einem so starken regionalen Bezug wie der Boden in der Agrarregion Oberpfalz machen Wissenschaft persönlich greifbar. Es ist dieser lokale Anker, der bei den Jugendlichen sofortiges Interesse weckt, weil sie die Bedeutung direkt vor ihrer Haustür sehen.

Das Herzstück der Innovation ist das Peer-Learning. Hier dozieren keine Professoren von oben herab. Stattdessen übernehmen Elftklässler der FOSBOS die Mentorenrolle für die jüngeren Realschüler:innen. „Viele sind über sich hinausgewachsen, weil sie ihr Wissen nicht nur anwenden, sondern auch verständlich weitergeben mussten“, beobachtet Christian Eiblmeier, Lehrer an der FOSBOS Schwandorf.

Das Herzstück der STEM-Challenge ist das Peer-Learning. Hier dozieren keine Professor:innen von oben herab. Stattdessen übernehmen Elftklässler der FOSBOS die Mentorenrolle für die jüngeren Realschüler:innen. (Fotos: STEM-Challenge)

Dieses bewusste Abgeben von Verantwortung entlastet nicht nur die Lehrkräfte, sondern motiviert die Schüler:innen massiv. Wenn Wissen auf Augenhöhe vermittelt wird, sinkt die Hemmschwelle, Fragen zu stellen, und der Lerneffekt steigt. Auf den Versuchsflächen von Horsch in Sitzenhof passierte dann der eigentliche „Klick“: Als die Schüler:innen Bodenproben entnahmen und die Unterschiede in Feuchtigkeit und Struktur direkt spürten, erklärte ein FOS-Schüler spontan den Zusammenhang zur landwirtschaftlichen Nutzung. Theorie und Praxis verschmolzen im Schlamm der Oberpfälzer Felder.

Zwischen Feldarbeit und Freizeit-Flow

Dass ein solches Netzwerkprojekt funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Die größte Hürde war die Logistik: Zeitpläne, Transport und die Abstimmung zwischen vier Schulen, einer Hochschule und einem Industriebetrieb mussten exakt ineinandergreifen. Dass es klappte, liegt am konsequenten Nutzen von Netzwerken. Die Verantwortlichen bauten auf bestehenden Kontakten auf; Vertrauen zwischen den Institutionen erwies sich hier als wichtiger und belastbarer als jeder formale Vertrag.

Doch was sagen die Schüler selbst? Das Feedback zeigt, dass die Mischung stimmt. Gelobt wurde die „sehr gute Balance“ zwischen intensiver Arbeitszeit und gemeinsamer Freizeit, abgerundet durch Highlights wie ein Escape-Room-Spiel. Besonders der freundliche Umgang und die verständlichen Erklärungen sorgten dafür, dass die Eindrücke nachhaltig hängen blieben.

Der wohl emotionalste Moment fand jedoch im Labor der OTH Amberg statt. Die Schüler:innen analysierten Böden aus ihren eigenen Heimatorten. Als die Messkurven bewiesen, dass der Boden hinter dem eigenen Haus ganz andere Eigenschaften hat als der im Nachbarort, wurde Wissenschaft persönlich. „Boden“ war plötzlich keine Vokabel mehr, sondern Teil der eigenen Lebenswelt.

Ein Modell mit Zukunft

Die STEM-Challenge 2025 war erst der Anfang. Für 2026 steht die Fortsetzung bereits fest, die Realschule Nabburg kommt als weiterer Partner an Bord. Das Ziel ist klar: Ein nachhaltiges Förderformat zu etablieren, das zeigt, dass MINT in der Oberpfalz keine graue Theorie ist, sondern die Basis für die Lösung der Probleme von morgen.

Viola Freundl und Christian Eiblmeier von der FOSBOS Schwandorf zeichneten sich federführend für die STEM-Challenge. (Foto: STEM-Challenge)

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